"Kölner Befundsystem für Schluckstörungen -
Kö.Be.S."
von Dipl. Heilpäd. Ulrich Birkmann
Ab Frühjahr 2007 erhältlich bei PROLOG!
Text im Katalog:
Artikel Nr. 1233
Das neue, systematische Dysphagie-Diagnostikum von ProLog
von Ulrich Birkmann
Mit Kö.Be.S. liegt ein äußerst umfassendes, alle Bereiche der Dysphagiediagnostik abdeckendes Befundsystem vor. Kö.Be.S. ist aus langjähriger eigener diagnostischer und therapeutischer Arbeit sowie aus vielfältigen Erfahrungen im Rahmen von Dozententätigkeiten in Fort- und (universitären) Ausbildungsseminaren entstanden. Neben einer ausführlichen Einführung in die Anwendung dieses Diagnostikums enthält Kö.Be.S. hochgradig systematisch aufgebaute Befundbögen, die den Untersucher durch das weite Feld unbedingt abzuklärender Funktionen rund um das (gestörte) Schlucken führen.
Ordner, mit Manual, 20 Befundbögen
| Preis: EUR 95.00 |
Leseprobe
Einleitung
„Der neue Patient soll nach Aktenlage eine Schluckstörung haben, schau doch bitte mal ´drauf!“
Die Erwartungen an mich als Sprach- und Schlucktherapeuten sind nicht treffender zu formulieren, als in dieser alltäglichen Aussage. Im alltäglichen Geschehen soll der behandelnde Therapeut mit den bescheidenen Mitteln, die ihm zur Verfügung stehen, für die Betroffenen lebenswichtige Entscheidungen treffen. Die Verantwortung, die er dabei trägt, ist augenscheinlich sehr hoch. Neben dem Pflegepersonal und den Angehörigen sind es die Schlucktherapeuten, die sich erstmals bewusst auf das Phänomen Schluckakt konzentrieren. Jede Therapeutin hat vermutlich ihr ganz eigenes System zur Ermittlung der Kau- und Schluckfähigkeit. Veröffentlicht sind einige Anregungen, die meines Erachtens für den täglichen Gebrauch zu ausführlich sind oder das Ausmaß einer Störung des Schluckablaufes zu ungenau beschreiben, also eher als ein Screening anzusehen sind.
Immer wieder stieß ich bei meiner Arbeit an rein logistische Grenzen. Die Zeit, die mit in der täglichen Praxis für einen verlässlichen Befund bleibt, liegt zwischen 30 und 45 Minuten. So erarbeitete ich das Rohmodell des Kö.Be.S.. Dieses Rohmodell, das ich vor gut 3 Jahren entwickelte, habe ich im Laufe der Zeit immer wieder optimiert, modifiziert und zeitlich begrenzt, bis ich die aktuelle Fassung für „reif“ hielt, sie zu veröffentlichen.
Welche Erwartungen sollte man an ein klinisches Befundsystem stellen?
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Mit einem klinischen Befundsystem soll in möglichst kurzer Zeit direkt vor Ort ein überschaubarer Überblick über alle Modalitäten des Schluckvorgangs geschaffen werden. Daneben besteht die Möglichkeit, den klinischen Verdacht einer Störung der Kau- und Schluckfunktion zu identifizieren und eine potentielle Aspirationsgefahr durch erweiterte Diagnostik abklären zu lassen. Eine Aspiration (Einatmen) ist klinisch nicht zu ermitteln!!!!! |
Schauen wir uns diese Definition einmal genauer an, heißt das folgendes:
| "... in möglichst kurzer Zeit...!" | dass sollte in einer Therapieeinheit von max. 45 min.
geschehen
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| "... einen überschaubaren Überblick..." | das, was ich sehen kann, werde ich auch überprüfen
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| "...alle Modalitäten..." | Kommunikation, Kognition, Haltung, Atmung, orofaziale
Beweglichkeit und Sensibilität, Mundinspektion, Reflexe, Beobachtungen
während der Nahrungsaufnahme (breiig, flüssig, fest und krümelig)
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| "... klinischer Verdacht..." | es gibt augenscheinlich Hinweise auf eine Störung der Kau-
und Schluckfunktion, es fehlen wichtige Schutzmechanismen beim Verspeisen
oder Trinken von Nahrung oder es kommt zu Abwehrmechanismen, die in
ihrer Intensität vermindert sind
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Jeder Versuch, klinisch eine Aspiration vor Ort zu ermitteln, scheitert an mangelnder Einsicht in oropharyngeale Strukturen und Abläufe. Diese ist nur durch erweiterte Diagnostik möglich.
Kommt es nach der Einnahme von Nahrung zu Symptomen einer Aspirationspneumonie, so kann auch klinisch von einer Aspiration ausgegangen werden. Im Befundsystem selbst erscheint dieser Parameter nur in der Anamnese.
Somit sind der klinischen Befundaufnahme von daher scharfe Grenzen gesetzt, die auch bei großer praktischer Erfahrung eingehalten werden müssen.
Zielgruppe des Kö.Be.S. sind alle Berufsgruppen, die sich mit der Diagnose von neurogenen Schluckstörungen befassen: Sprach-, Sprech- und Schlucktherapeuten, Ergotherapeuten, Physiotherapeuten, Pflegepersonal und Ärzte.
Das Kölner Befundsystem für Schluckstörungen stellt nur eine Möglichkeit der klinischen Befundaufnahme dar. Er ist geeignet für den täglichen klinischen Bedarf, für die ambulante Versorgung vor Ort oder im alltäglichen Praxisgeschehen. Patienten im Wachkoma, bewusstlose Patienten können zwar mit dem Kö.Be.S. erfasst werden, sind aber nicht dessen Ziel-Klientel.
Das Kö.Be.S. wurde konzipiert für Patienten mit neurogenen Erkrankungen (Apoplex, Idiopathisches Parkinson Syndrom, Amyotrophe Lateralsklerose, Multiple Sklerose, Myathenia Gravis, Schluckdyspraxie bei Demenz etc.)
Das Kö.Be.S. ist ein rein deskriptives Befundsystem. Festgestellte Defizite werden erfasst, führen jedoch am Ende zu einer Sammlung von Störungsmerkmalen, nicht zu einer einheitlichen Diagnose.
Patienten mit Trachealkanülen werden zwar erfasst, auf die genauen Modalitäten der Kanülenversorgung geht das Kö.Be.S. jedoch nicht ein.
Letztlich werden auch Patienten mit Tumorerkrankungen nur unzureichend bis gar nicht erfasst. Diese Befundsysteme sind noch Arbeitsbedarf und können in Zukunft als Modifikationen des Kö.Be.S. erscheinen.
Dieses Handbuch ist so konzipiert, dass sich der Benutzer mit dem Kö.Be.S. durch die klinische Diagnostik bewegt. Zusätzlich wird im Handbuch auf die Ursachen der festegestellten Abweichungen eingegangen. Abgerundet werden die Erläuterungen durch therapeutische Hilfestellungen. Diese Hilfestellungen dienen zur Orientierung, stellen jedoch auf keinen Fall das gesamte Spektrum der Behandlungsmöglichkeiten dar.
Es werden immer wieder auch Erfahrungen aus der Praxis miteingebunden, die dem Leser komplexere Erscheinungsbilder vereinfachen sollen. Jeder Beschreibung der sechs Blöcke folgt eine neurophysiologsche bzw. pathophysiologische Erklärung des gerade entdeckten. Diese Pathomechanismen weisen dann auch schon auf therapeutische Strategien hin, die hier exemplarisch aufgezeigt werden sollen.
Im Anhang befinden sich noch Kopiervorlagen für Angehörige. Dort wird noch einmal für Laien erörtert, wie man sich bei der Essensbegleitung verhält, welche Lebensmittel für die 5 Stufen des Kostaufbaus geeignet und welche ungeeignet sind. Am Ende wird noch erläutert, wie man sich im Notfall (also bei einem verlegten Atemweg) zu verhalten hat.